Brücken bauen.

Aktualisiert: 20. Apr.



Letztens habe ich eine Dokumentation über die Inkabrücke Q’eswachaka gesehen.

In der Provinz Canas, drei Stunden südlich von Cusco, hängt diese 28 Meter lange, von den umliegenden Dorfbewohnern jährlich neu errichtete Brücke, die ausschließlich aus Gras gebaut, oder besser gesagt - geflochten wird.

Das ganze Dorf hilft mit, jeder Einzelne ist in dieses Projekt "verwickelt".

Ihre Stabilität erhält die Brücke vor allem durch ihre Machart, sicherlich nicht nur durch das Material (auch wenn das verwendete goldene Qoya-Gras, das nur in höheren Andenlagen wächst, besonders robust ist). Die einzelnen Gräser werden anhand einer besonderen, UNESCO-gekührten Zopftechnik geflochten, um mit diesen Zöpfen wieder größere Zöpfe zu flechten.

Solch fraktale Strukturen (=das Ganze ähnelt seinen Bestandteilen) finden sich übrigens häufig in der Natur, etwa bei Bäumen, Blumenkohl, Galaxienhaufen.

Sie zeugt von Lebendigkeit, Kraft und Stabilität.

Aber um wieder meine Brücke zur Brücke zu schlagen - bei meiner Betrachtung Ihres Baus ist mir ein Gedanke gekommen: Die Stabilität und Robustheit liegt genau in ihrer Verwundenheit, in der das "große Ganze" einfach ein Zusammenschluss einzelner kleinerer, aber für sich wichtiger Verknüpfungen ist.

Das Ganze geht nicht ohne das Einzelne, und das Einzelne kann sich

im Ganzen fallen lassen.

Auch wenn ein paar "Stricke reißen", wird das sicherlich nicht gleich die ganze Brücke zum Einsturz bringen. Vielleicht sollten wir genau so unser Selbst und das Leben überhaupt betrachten:

Jeder Tag ist eine weitere Chance, neue gute & tragende Stricke zu flechten, damit auch Bestehende mit zu stärken. Unser Körper-Geist-Seele System ist sehr robust, dankbar, geduldig. Es verzeiht viele kleine Risse. Doch wenn wir zu lange mehr Stricke zerstören, als wir neue aufbauen, kann unser System zusammenbrechen, es ist nicht mehr tragfähig. Jede noch so kleine Belastung ist dann nicht mehr zu (er)tragen.

Von da aus ist es natürlich mühsam, es aus der Schlucht zu schaffen, in die wir dann fallen. Vor allem allein. Doch es gibt keinen anderen Weg, als täglich mit Bestimmung, Vision und Liebe neue tragenden Stricke zu flechten. Am besten dazu noch eine helfende Hand anzunehmen.

Practice, Patience, Presence. Jeden Tag.

Die enorme Stärke ist hierbei ist jedoch, dass jene "Brückenbauer", die ihre eingestürzten Brücken aus eigener Kraft wieder aufgebaut haben, es aus der tiefen Schlucht geschafft haben, enorme Fertigkeiten entwickelt haben und diese hervorragend nutzen können und sollten, um auch anderen bei ihrer Brückenpflege und dem (Wiederauf-)bau zu helfen.


Unsere Lebensbrücke braucht stetige Pflege, denn sie besteht in ihren Einzelteilen aus stetigen, dynamischen Auf- und Abbauprozessen. Und obwohl sie in jedem Moment "fertig" und vollkommen ist, ist sie doch nie an einem fixen, statischen Endpunkt. Lebendigkeit bedeutet Wandel, Bewegung. Was stillsteht und erstarrt ist nicht lebendig

(Beispiel: Blut -> Gerinnung).

Je stärker unsere Lebensbrücke mit unserer täglichen Pflege wird, desto mehr können wir sie für andere öffnen. Wir verbinden Menschen, und uns mit Ihnen.

Wir tragen

mit unsren täglichen Entscheidungen

zum Großen Ganzen bei.




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