Backsteinmauer.

Aktualisiert: 22. Nov 2020



Die kleine Geschichte einer Backsteinmauer

soll gar nicht sein von langer Dauer


soll nur ein Stück weit Klarheit bringen

mit Metaphorik solls gelingen


Nun gab es diese Backsteinmauer

und nen Lehr-Mönch als ihr Erbauer


er allein soll sie errichten

die Steine aufeinander schichten


so hat’s der Meister ihm aufgetragen

und der Lehrling will folgen und nicht hinterfragen.


An folgenden Tagen, nach Meditation

ein Aufwand von Kraft und Präzision


schichtet er mit Mühen auf,

Stein und Stein, bis alsbald drauf


die Backsteinmauer ist vollbracht

mit Stolz erfüllt, er hats geschafft

aus eigenem Fleiß und täglicher Kraft


doch ehe es dem Meister zu zeigen

will er ganz kurz noch stille schweigen


um mit peniblem Blick final

zu prüfen noch ein letztes Mal


ob er bei den Mauersteinen

ausnahmslos auch wirklich keinen


findet der aus der Reihe tanzt,

sonst ,meint er, wärs mit dem Meister verschanzt


und just bei diesem letzten Check

fährt in ihm hoch ein kalter Schreck


ein Gräul, ein Graus, ja kann das sein

das sieht ja aus, nicht jeder Stein


ist, wie geplant, in Reih und Glied,

oh wenn das bloß der Meister sieht!



2 der Steine, klar zu sehen,

die fest vermeiselt schief rausstehen


all Symmetrie ist nun dahin

und mit ihr des Bauwerks ganzer Sinn


für diesen groben Ästhetikmangel,

nimmt man ihn sicher in die Angel!


Doch der Mönchesschüler weiß

ihm ist die Pflicht, zu jedem Preis,


die Fehlleistung gleich Preis zu geben,

dem Meister ehrlich dazulegen.


ängstlich, blass und buckelnd klein,

vor angstschweiß nass, fasst der Schüler sein


höchstes Maß an Mut zusammen,

um den Meister, voller bangen,


den Mauer-Patzer zu gestehen,

ihn anzuflehen um nicht zu gehen


müssen, denn ein solch Versehen,

wird nie und nimmer so geschehen.


Alsbald der Lehrer, der erleuchtet-Weise,

ganz unerwartet sanft und leise,


weder Ärger noch Haltung noch Fassung verliert,

die Hand auf des Lehrlings Schulter platziert,


mit ruhiger-warmer Stimme fragt,

warum der Lehrling denn so klagt


keinen Grund gäb’s dass er jetzt verzagt,

nur weil aus dieser Mauer ragt,


einstein ,

nein zwei,

um genau zu sein,

doch Lehrling lass die Eigen-pein

und vernimm die folgend Weisheit ein:


Es ist eine Blendung, ja Illusion,

die nun seit Langem die Menschheit schon


verfolgt- in Betrachtung ihrer Außenwelt

immer nach Perfektion bestellt


Sie wollen nur das unversehrte,

das glänzend-wertvoll unbeschwerte,


und blind nur nach dem Anteil streben,

den sie als “gut” und “wohltuend” erleben.


stattdessen hat jener den höchsten Wert,

der das Leben in ALLEN Facetten ehrt,


der Balance aller Zweiseitigkeit erreicht,

auch wenn das Erlebte von dem abweicht,


was er im Geist visualisiert -

er akzeptiert, was auch passiert.


In deinem Fall, mein Sohn,

gebührt statt Hohn dir höchster Lohn:


Denn diese Backsteinmauer hier,

die du so kritisch siehst vor dir,


ist gut mit 998 Steinen,

von denen jeder einen


wichtigen Teil des Ganzen darstellt,

so ist’s mit Allem in der Welt.


Und selbst die zwei Steine, die Schande du nennst,

ich seh sie als keine, denn wenn du erkennst,


auch sie stützen diese Mauer,

und das Gesamtwerk von dir als Erbauer,


sollten wir als vollkommen betrachten -

nicht trachten nur nach perfekt Gemachten.


Der Fokus soll doch viel mehr liegen

auf den 998 Siegen



und auf dem Großen Wunderwerk -

stattdessen liegt das Augenmerk,


wie so oft beim Menschensgeist,

auf dem was man nicht als Optimum preist.


Und nicht nur bei Dingen, Taten, Geschehen,

auch beim Partner und Mitmenschen sehen


wir viel zu oft nur die wenigen Macken

zwecks denen wir blind aufeinander rumhacken,


statt 998 Facetten zu schätzen,

die uns doch viel mehr in Erstaunen versetzen.


Darum mein Sohn,

lass Illusion der Perfektion

und unbegründeten Argwohn


von gleich auf für immer beiseite schieben,

statt dessen im Leben lernen zu lieben,


alle Steine und Teile im Leben,

wie bei der Backsteinmauer eben.


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